
Schattenarbeit – ein Erlebnisbericht
Freitag, 16.01.2026
Die Nacht war unruhig. Der Morgen begann mit allerlei kleinen Hindernissen. Ein verschmutzter Löffel fiel aus der Hand auf den Boden. Den Fuß angerempelt an der Schrankkante. Der handgemahlene Kaffee auf dem Küchentisch gelandet, anstatt im Trichtereinsatz unseres neuen Kaffeebereiters. Endlich war es soweit und das Wasser kochte, aber: es wurde nicht durch den Einsatz hochgedrückt. 👿 „Oh, womit habe ich das verdient!“
Innerer Aufruhr
Was soll das? Warum geht heute alles schief? Was ist das wieder für ein blöder Tag, an dem mich alles ärgern will?
Die Geschichte geht noch weiter: Daniel wollte die Kaffeekanne öffnen und nachsehen, warum sie nicht funktionierte. Da aber kochendes Wasser darin war, war sie natürlich noch zu heiß. Er nahm also unsere alte „Cafetera“ und machte damit neuen Kaffee. Ich bereitete in dieser Zeit ein Müsli zu und wollte danach selbst probieren, die neue Kanne zu öffnen, hab mir dabei die Finger beinahe verbrannt, weil die heiße Flüssigkeit darinnen noch nicht abgekühlt war. Ich begann also in meinem Eifer, die Flüssigkeit auszugießen … und das empörte Daniel, weil er die Kanne später selbst öffnen wollte. Beide hatten wir eine düstere Stimmung und fühlten noch mehr Ärger in uns.
Innehalten. Distanz gewinnen.
Bewusst entschieden wir, uns eine Pause zu gönnen und etwas später, beim frühstücken, konnten wir mit Abstand darüber sprechen.
Als erstes betrachteten wir unsere Reaktion auf die Missgeschicke: warum haben wir so ärgerlich darauf reagiert? Hätten wir nicht einfach akzeptieren können, dass wir jetzt halt grad mal wieder nicht präsent waren? Und daraus lernen? Die Situation wurde ja nicht besser dadurch, sondern eher schlimmer, als sie tatsächlich war.
Dann besprachen wir unsere Missstimmung bezüglich der Kaffeekanne: Daniel erzählte, dass er sich überrumpelt fühlte mit meiner Aktion, die neue Kanne öffnen zu wollen und den darin enthaltenen Kaffee auszuschütten. Ich bemerkte, dass ich keine Geduld hatte und das Problem sofort lösen wollte. Außerdem entdeckte ich in mir eine Verurteilung, indem ich dachte: ach das vergisst Daniel ja eh wieder, also mache ich es gleich selbst. Sein Urteil über mich war: Gabi nimmt mich nicht wahr, ich bin nicht existent für sie.
Eigentlich eine unbedeutende Sache, die jedoch in früheren Zeiten zu Ärger, Streit und Leid geführt hätte, weil wir unbewusst unsere Schatten (unbewussten Bedürfnisse, unbewusste Selbstverurteilungen) auf den anderen projizieren. Projektion auf andere bedeutet: ich will meine eigenen „negativen“ Anteile nicht fühlen! Der Andere hat Schuld!
Zwei Seiten – ein Ganzes 
Ist dies nicht die Situation, in der sich ein Großteil der Menschheit heute befindet? In fast allen Nachrichten geht es um Krieg, Verschwörung, Hass, Trennung. Menschen beschuldigen andere, Verursacher des eigenen Leides zu sein. Und damit beginnt die große Schuldzuschiebung und mit ihr die große Kontrolle! Das zwischenmenschliche Klima wird kalt und autoritär! „Wenn du nicht das tust …, so bist …, das denkst …, dann bist du (z.B. ein Nazi, ein Verschwörer …).“
Wie traurig uns dies macht! Wie viel wertvolle Energie damit vernichtet wird. Wie viele Möglichkeiten, echter Beziehung und Kommunikation damit kaputt gemacht werden. Wie viele wertvolle Möglichkeiten der Selbsterkenntnis damit verloren gehen.
Wie gut wäre es, wenn wir die derzeitige Situationen nutzen würden, um ganz ehrlich mit uns zu sein und uns einzugestehen, dass wir alle unsere Schattenseiten in uns tragen. „Ja, ich fühle Hass, ich habe Rachegelüste, ich hätte gerne Macht über andere usw.“ Das heißt aber nicht, dass ich dies ausleben muss! Nein, ich muss es erkennen und integrieren. Weil ich weiß, dass das Leben niemals aus nur einer Seite besteht. Es gibt nicht nur gut. Es gibt nicht nur Licht. Es gibt nicht nur Freude. Die andere Seite ist auch immer da, und es täte der Welt soooooo gut, wenn wir dies uns wieder ins Bewusstsein zurückholen! Jede Münze hat ZWEI Seiten. Nur beide Seiten ergeben EIN Ganzes.
Wenn ich meine dunklen Seiten kenne, mich mit ihnen aussöhne, dann muss ich sie nicht ausleben. Dann weiß ich um sie und kann mein klares Denken dazu nutzen, zu wählen:
- Will ich einfach nur moralisch recht haben und mein Programm ausleben?
- Oder will ich dafür sorgen, dass ich selbst und auch andere Menschen psychisch reifen können und damit in meiner/ihrer Entwicklung wachsen können?
Dann erst entstehen wirkliche Beziehungen und eine echte Kommunikation.
In Beziehung gehen
Wir brauchen keine moralische Empörung. Wir brauchen kein Anprangern. Wir brauchen keine autoritäre Kontrolle. Wir brauchen keine Fremdbestimmtheit. Immer ist es leicht, Argumente zu finden, warum die äußeren Umstände so sind und wir so handeln, wir wir es tun. Schuldig sind meist die anderen. Aber vielleicht erschaffen wir selbst diese Missstände? Durch unsere negativen Gedanken, durch negative Gefühle, die uns automatisch reagieren lassen, anstatt in Klarheit und Präsenz da zu sein.
Was wir wirklich brauchen ist unsere Selbsterkenntnis und das hineinwachsen in ein reifes und annehmendes Mensch-Sein. Offene Neugierde für das Andere, anstatt Verurteilungen. Beziehungsfähigkeit statt Projektion. Daraus wächst Stabilität, für jeden einzelnen und auch für die Gemeinschaft. Und diese Stabilität trägt wirklich.
Gemeinsam üben und praktizieren auf Mamma Terra
Wir entwickeln derzeit neue Programme für MammaTerra. Ziel ist es, dich dabei zu unterstützen, deine inneren Stärken zu entdecken, dich mit deinem Schatten-Selbst auseinanderzusetzen, eine offene und ehrliche Kommunikation (mit dir selbst und anderen) zu entwickeln und Beziehungen bewusster wahrzunehmen. Der Raum hier auf MammaTerra bietet Ruhe und Geborgenheit, um all dies gemeinsam zu praktizieren.
Unser Wunsch: dass wir uns immer mehr verbunden fühlen mit uns selbst und der Mitwelt, dass dadurch die Welt ein wenig besser und schöner werden kann, wir Menschen fröhlicher und gesünder, die Natur heiler und kraftvoller.
Herzensgrüße an dich ♥
von Gabriela und Daniel


Wie heilsam diese Inspiration! Ja, wenn ich die Dinge zu mir nehme und ehrlich meine Reaktion reflektiere dann kann ich erkennen dass nie jemand „anders“ schuld ist an meinem Erleben. Bestenfalls nutze ich die Situation dann um zu lernen und nicht dazu mich selbst dafür schuldig zu fühlen, das wäre dann der nächste „Trick“.
Danke für das schöne Beispiel.
Liebe Grüße
Diana
Danke, liebe Diana <3