Zu den Traditionen Kantabriens gehören etliche Mythen und Legenden, die von Generation zu Generation überliefert wurden. Es sind Geschichten voller Magie, die jedoch mit dem Realen verwoben sind.
Die Anjana
So gibt es etliche Erzählungen über die „Anjana“, die vor langer Zeit in den Tälern und Bergen Kantabriens lebte. Man sagte, sie sei ein magisches Wesen von großer Schönheit und Macht, eine Waldnymphe, die eine große Verbindung zur Natur und zu den Elementen besaß.
Sie war bekannt für ihre bezaubernde Erscheinung. Eine junge Frau mit langem goldenem Haar und Augen so hell wie Sterne. Ihre Haut war so glatt wie Seide, und ihr Lachen hallte wie eine Melodie im Wind. Sie trug zarte weiße Kleider, die aus den feinsten Blütenblättern gemacht zu sein schienen.
Das Besondere an der Anjana waren jedoch ihre Kräfte. Es hieß, sie könne das Wetter kontrollieren, die Felder zum Blühen bringen und Krankheiten heilen, indem sie sie einfach berührte. Sie hatte auch die Fähigkeit, sich in verschiedene Formen zu verwandeln, von einem majestätischen Hirsch bis zu einem kleinen Bach, der sich durch die Bäume schlängelte. (zitiert aus der Webseite: https://descubrecantabria.info/cuentos/la-anjana/)
Es wird angenommen, dass ihr Ursprung auf den alten keltischen Glauben zurückgeht, in dem die Geister der Natur verehrt wurden.
Verbindung zur mitteleuropäischen Frau Holle
Vermutlich hat die Anjana eine Verbindung zu den vorkeltischen mythischen Wesen des Alpenraumes und Mitteleuropas. Denn ähnliches wird aus genau diesem Raum berichtet, beispielsweise in den Sagen und Legenden um Frau Holle. So waren die Priesterinnen („Die Holden“) der Frau Holle ebenfalls ganz in Weiß gekleidet. Sie waren wunderschöne Wesen, der Natur ebenfalls sehr nahe und für die Menschen sowie die ganze Natur jederzeit hilfreich. Im bayerischen Raum hießen sie „die Perchten“ (die Hellen, Glänzenden, Strahlenden), imAlpenraum „die Saligen“ (Heilsbringende?), im Norden die „Witten Wiver“ (die weißen Weiber).
(siehe Buch: Frau Holle, das Feenvolk der Dolomiten – Die großen Göttinnenmythen Mitteleuropas und der Alpen, neu erzählt von Heide Göttner-Abendroth)
Matriarchales Leben?
Wir mögen die Einordnung von Gesellschaftssystemen in Matriarchat und Patriarchat nicht sehr, da sie wiederum spaltet. Wir wissen auch nicht, was unsere wirkliche Geschichte ist, da so vieles über die Jahrhunderte verfälscht wurde (ob absichtlich oder nicht spielt letzten Endes auch keine Rolle).
Die Geschichten der Völker – mündlich überliefert und irgendwann aufgeschrieben – werden zwar heute oft als Kindermärchen vereinfacht erzählt, hatten aber damals erkennbar für die Menschen eine spirituelle Dimension. Die Menschen, so erzählen es die Texte, waren zu diesen Zeiten eng verwoben mit der ganzen Natur. Sie hatten, vermutlich unbewusst, jedoch ganz intuitiv Zugang zu allen sichtbaren und unsichtbaren Wesen, die jederzeit um sie (und um uns heute auch) herum waren. Sie wussten darum, mit ihnen zu kommunizieren und ihren Teil beizutragen, dass der Kreislauf des Lebens gewahrt bleiben konnte. Die Natur, die Mutter Erde, die Göttinnen und Priesterinnen und ihre Tiere, Bäume, Teiche etc. waren ihnen heilig und das taten sie Kund in etlichen Ritualen, Gebeten und Praktiken.
Damals wussten sie, dass nichts getrennt ist, sondern alles miteinander und ineinander wirkt. Es gab nicht den von der Natur getrennten Menschen, sondern die Menschen sahen sich als Teil der gesamten Natur. Also war ihr Verhalten so, dass sie die natürliche Ordnung aller Dinge wahrten. Sie ehrten das Leben, sie ehrten die Übergänge (Tag/Nacht – Jahreszeiten – Hell/dunkel – Leben/Tod/Wiedergeburt etc.) Sie ehrten alle Wesen, nicht nur die Menschen, sondern zuerst auch Mutter Erde, die Pflanzen, Tiere, die Elemente, die Natur- und Geistwesen, die Göttinnen und ihre Helfer.
Und heute?
Wie sehr ist uns dies verloren gegangen! Wir sehen es nun sehr deutlich an uns selbst, an der Weise, wie wir uns in unser Projekt „Mamma Terra“ einfinden und wie weit entfernt wir oftmals diesem natürlichen VerbundenSein sind. Viel zu sehr spielen noch die erlernten Rollen, Glaubenssätze, Weltsichten und Verurteilungen eine Rolle. Diese werden zwar zunehmend bewusster, wir wissen jedoch inzwischen, dass es ein langer Prozess ist, den es zu durchschreiten gilt. Einfach mit den Fingern schnipsen und alles ist anders? Nein, das funktioniert nicht. Es braucht die absolute Offenheit, das vielfach falsch gelernte zu hinterfragen und ggf wieder zu verlernen. Wir dürfen lernen, uns einzulassen auf das, was wirklich hier und jetzt gerade da ist.
Es braucht unser JETZT. Unsere INTUITION. Unser STAUNEN. Unsere MAGIE. Unser GEBET.
Unser Wunsch
Vielleicht magst du diese kurze Einführung zur Mythologie in Europa selbst einmal erkunden und durchdenken? Die Bücher von Heide Göttner-Abendroth können dir dabei eine Hilfestellung sein.
Möge dieser Artikel dazu beitragen, dass sich Magie wieder einfinden darf in deinen Alltag und innere Türen der Bewusstwerdung sich öffnen: Ich bin Teil von Allem. Alles ist mit allem verbunden! All-Eins!
Zum Abschluss ein Heilkräuter-Zauber der Frau Holle:
„Geh ich heilend übers Land,
trage ich den Himmelsbrand
als goldnes Zepter in der Hand.“
[Anm.: gemeint ist die Königskerze]
(siehe Buch: Frau Holle, das Feenvolk der Dolomiten – Die großen Göttinnenmythen Mitteleuropas und der Alpen, neu erzählt von Heide Göttner-Abendroth)



Wie wundervoll, an all das wieder erinnert zu werden. Von Herzen danke dafür.
Annett
Liebe Annett, wie wundervoll, dass es Menschen gibt wie euch, die sich gerne daran erinnern lassen <3. Seid umarmt.